Japanische Klo-Sitten
Heute in Fan Corner:
Roman Gössinger
Japanische Klo-Sitten.
Otto Jankovich hat uns Forums-Usern vorgeschlagen, dass wir für die WgeN-Website Beiträge verfassen, die mit der Sendung und unserer Beziehung dazu zu tun haben. Lange habe ich es vor mir hergeschoben, aber jetzt komme ich doch noch auf diese Einladung zurück. Hier also der Bericht über meine erste “Sprechrolle” im Fernsehen. (Bzw. der Bericht darüber, woran ich mich nach der langen Zeit noch erinnern kann.)
Es war Jänner 2005 als ich das erste Mal ein paar Dutzend Fragen an “Was gibt es Neues” einschickte. Ok, ich geb‘s zu, ich war geldgierig und alles andere als treu: Ich habe die Fragen gleichzeitig auch an “genial daneben” und “absolut genial” geschickt. Und die “absolut genial”-Leute waren auch die ersten, die sich bei mir meldeten, um mir mitzuteilen, dass sie eine, oder mehrere meiner Fragen auf ATV zu senden beabsichtigten. Das passierte auch 2 Monate später, aber Dieter Chmelar wusste über den österreichischen Ur-Graffiti-Pinsler Kyselak leider zu gut Bescheid. Aufgrund der Spielregeln konnte ich mich von meinem erwarteten Euro-Gewinn verabschieden.
Im April läutete dann wieder das Telefon, diesmal war Frau Stockinger von Gebhardt Productions dran: Die “Was gibt es Neues”-Redaktion will eine Frage von mir stellen. Und nicht nur das: Sie wollen, dass ich sie in einem Einspielfilm persönlich stelle! Wie sensationell war das denn! Ich musste nicht zweimal überlegen, zuzusagen. Als Frage hatten sie übrigens ausgesucht, “warum Japaner die Toilette verlassen, indem sie rückwärts gehen”. Eine Geschichte, auf die ich gestoßen war, als ich in “Ah!”, dem Wissensmagazin für Kinder auf ARD, einen Bericht über japanische Lebensgewohnheiten sah.
Die genaue Formulierung der Frage könnte ich selbst zusammenstellen und ich sollte mir auch überlegen, wo die Sache am Besten gefilmt werden sollte. Die Redakteurin würde sich in ein paar Tagen wieder bei mir melden, um den Drehtermin durchzugeben.
Diese folgenden Tage war ich natürlich ziemlich aus dem Häuschen. Immer wieder nahm ich mir die Frage und ihre Auflösung vor, formulierte sie um, sagte sie laut auf, und feilte an den Details. Soll ich Toilette sagen? Oder besser WC, oder Klo, Örtchen oder gar Häusl? Besser Pantoffeln oder Patschen, Schlapfen oder Hausschuhe? Wo Pausen einlegen und wo betonen?
Naja, irgendwie hab ich das dann doch zusammengeschustert und als Frau Stockinger wieder anrief war ich gut vorbereitet. Bezüglich der Location schlug ich den Ni-no-Maru-Park vor dem Kaiserpalast in Tokio zur Zeit der Kirschblüte vor. Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen wurde dieser Gedanke jedoch brutal abgewürgt. Die Alternative, das Tenmaya, ein japanisches Restaurant in der Wiener Innenstadt, hörte sich allerdings auch nicht schlecht an.
Zum vereinbarten Termin, am frühen Nachmittag, wieder ein paar Tage später, traf ich schon eine habe Stunde früher im Lokal ein. Mit einem Cola und dem Lesen in einer Tageszeitung versuchte ich meine Nerven zu beruhigen. Ursprünglich hatte ich mir zwar überlegt, das “Variety”-Magazin anzuschaffen, aber ich empfand das dann doch ein wenig übertrieben.
Pünktlich erschienen dann die Redakteurin, ein Kameramann und ein Tonmann und nach ein bisschen Smalltalk ging‘s auch schon in ein Extrazimmer im typisch japanischen Design. Während ich vom Tonmann verkabelt wurde, richtete der Kameramann das Licht ein. Ich las mir nochmal meinen Text durch und wünschte mir nichts sehnlicher als einen Teleprompter. Den gab es aber nicht. Ich musste mich auf mein armes Gedächtnis verlassen.
Aber was soll‘s. Auch Bobby und Jack haben ihren Text im Kopf. Und was De Niro und Nicholson können, sollte doch auch mir keine Schwierigkeiten bereiten. Nach 2-3 Takes war dann der Fragentext “im Kasten”. Für den Antworttext habe ich dann ein paar Versuche mehr benötigt. Man sollte nicht glauben welche Probleme Wörter wie “Toilettenpantoffel”, “Türschwelle” und “praktischerweise” der Zunge bereiten können, wenn man sie ganz besonders deutlich auszusprechen gewillt ist. Aber nach dem 5. Versuch hatte es geklappt, und auch die drei Profis schienen mit dem Ergebnis recht zufrieden zu sein.
Nachdem das Set wieder abgebaut war, kam mir ein schrecklicher Gedanke: “Was ist, wenn meine Geschichte gar nicht auf Tatsachen beruht?” Die japanische Geschäftsführerin, die ich aufgeregt fragte, konnte meine Zweifel jedoch beseitigen, die Klo-Sitten in Nippon sind tatsächlich so, wie sie von mir soeben so überzeugend in die Kamera geplappert wurden. Tenno sei Dank! Ich verabschiedete mich vom netten Aufnahmeteam und genehmigte mir ein Bier.
Zwei bis drei Wochen später wurde dann die Sendung mit meiner Frage ausgestrahlt. Michael Niawarani, Ulrike Beimpold, Florian Scheuba, Gerold Rudle und Klaus Eberhartinger durften sich mit ihr herumschlagen. Als während der Ausstrahlung “meiner” Filme im Publikum merkbar gelacht (aber nicht ausgelacht) wurde, und auch das Rateteam danach lachte, konnte ich mir ein wenig Stolz nicht verkneifen. Das Team war beim Versuch aufzulösen sehr begeistert bei der Sache und konnte auch einige gute Wucht‘ln drucken. Klaus Eberhartinger war besonders engagiert und musste sich von Rudle anhören: “Der woa doch bis jetzt ganz stü‘. Kaum geht’s ums Klo, …do rattert er!”
Speziell hat mich die Abmoderation von Oliver Baier gefreut: “Dankeschön. Sie haben sich ihren 300 € Büchergutschein wirklich verdient!”
Ach ja, das war übrigens die Frage und ihre Auflösung:
Japanischer Teeraum, Innen:
“Hallo! Ich bin der Roman Gössinger und möcht‘ von euch gerne wissen, warum Japaner immer rückwärtsgehend aus ihrer Toilette herauskommen.”
“Tja, Japaner tragen zuhause immer Hauspantoffeln.
Aber damit nicht genug, fürs WC tragen sie noch eigene Toilettenpantoffeln.
Naja, und um diese an der Türschwelle wieder so auszuziehen, dass man wieder in die Hauspantoffeln schlüpfen kann, bzw. dass der nächste WC-Besucher wieder in die Toilettenpantoffeln schlüpfen kann,…
…dafür ist es natürlich am praktischsten, …
…das WC verkehrtherum zu verlassen.”
Autor: Roman Gössinger

